Haben Sie Lust auf eine kulturhistorische Tour rund um Vollnkirchen? Dann kommen Sie doch zu einer Wanderung auf den neu angelegten Kult(o)urpfad in Hüttenbergs kleinsten Ortsteil. Der Startpunkt ist am Dorfplatz vor dem Bürgerhaus. Über eine Strecke von 6 km führt der Weg durch das Tal des Schwingbachs zur Wüstung Wertshausen und über die Grillhütte auf dem Petersberg zurück ins Dorf.

Die Idee für einen kulturhistorischen Wanderweg ist schon vor vielen Jahren entstanden. Während der Dorferneuerung in Vollnkirchen Anfang der 2000er Jahre gab es einen Arbeitskreis Dorfgeschichte, der sich mit der Erforschung der Geschichte des mittelalterlichen Dorfes und heutigen Wüstung Wertshausen beschäftigte. Rund um dieses Projekt haben sich parallel und im Nachgang zur Dorferneuerung weitere Projekte zu geschichtlichen und kulturhistorischen Themen entwickelt, die federführend von der Gemeindearchivarin Christiane Schmidt und Dr. Clemens Ruppert aus Vollkirchen bearbeitet wurden. Daraus ist die Idee entstanden, Besuchern das gesammelte Wissen vor Ort auf Infotafeln zugänglich zu machen.

Dass die Idee zu dem Wanderweg umgesetzt werden konnte, ist nicht zuletzt auch Stefanie Gold, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Kultur, zu verdanken, die sich um die Finanzierung der Druckkosten gekümmert hat, sowie dem Bauhof der Gemeinde Hüttenberg, der die Standorte hergerichtet und die Tafeln aufgestellt hat.

Unterwegs informieren Tafeln über historische und kulturelle Themen aus der Geschichte Vollnkirchens:

Am Startpunkt steht eine Tafel zum historischen Ortskern von Vollnkirchen, die zeigt wie der Ort früher aussah, als die alte Kirche und die Dorfschule noch standen.

Abb. 1: Die Dorfmitte in Vollnkirchen 1827

An der Grenze zwischen den Gemarkungen Vollnkirchen und Volpertshausen steht eine Tafel über historische Grenzen. Dort wurde auch ein historischer (Landes-)Grenzstein wieder aufgestellt, der die Inschrift VK (Vollnkirchen) und NW (Nasau-Weilburg) sowie eine Nummerierung trägt, die aufgrund des schlechten Zustands aber nicht mehr eindeutig zu erkennen ist.

Das Jahr der Aufstellung und der ursprüngliche Standort sind nicht bekannt. Vermutlich stand er aber an der Grenze zu Wertshausen und stammt aus der Zeit zwischen 1585 und 1703, als das Amt Hüttenberg aufgeteilt und die benachbarte Wüstung Wertshausen und die angrenzende Gemarkung Volpertshausen nassauisch wurden (1. Teilungsvertrag 1585). Vollnkirchen, das erst mit dem 2. Teilungsvertrag 1703 nassauisch wurde, stand unter gemeinsamer Verwaltung von Hessen und Nassau und hatte bis dahin eine Landesgrenze zu Nassau-Weilburg.

Abb.2: Steinbeil eines „Ur-Vollnkircheners“ aus der schnurkeramischen Kultur (ca 2800-2200 v.Chr.)

Im Tal des Schwingbachs informiert eine Tafel über die vorgeschichtliche und mittelalterliche Besiedlung der Region und leitet über zur Wüstung Wertshausen, die -wie eingangs schon erwähnt- im Rahmen der Dorferneuerung Vollnkirchen umfassend erforscht wurde. Das hier zusammengetragene Wissen, das auch in einer Broschüre der Gemeinde Hüttenberg veröffentlicht wurde, ist hier nochmals auf drei Tafeln wiedergegeben. Dort sind auch Bilder mittelalterlicher Keramikfundstücke zu sehen, die von Bürgerinnen und Bürgern aus Vollnkirchen während einer Spurensuche auf dem Gebiet des mittelalterlichen Dorfes gefunden wurden.

Ebenfalls in der Gemarkung Wertshausen finden sich Relikte einer ehemaligen Kulturlandschaft, einer Wacholderheide. Altbürgermeister Dr. Manfred Schmidt war es, der bei einer Ortsbegehung im Rahmen des Wertshausenprojektes auf die noch vorhandenen Wacholdersträucher aufmerksam machte. Die Pflanzen waren aufgrund des Lichtmangels komplett verkümmert und nur wenige Zentimeter hoch. Sie wurden durch Baumschnittmaßnahmen freigestellt und seitdem haben sich zwei Pflanzen wieder zu stattlichen Sträuchern entwickelt. Seit einigen Jahren kümmern sich die Landschaftsfreunde Vollnkirchen e.V: um den Erhalt der Wacholdersträucher. Bei Pflegemaßnahmen im Jahr 2023 konnte ein weiterer Wacholder in einer Schwarzdornhecke gefunden und freigestellt werden. Auch können Sie dort erfahren, warum die Vollkirchener „Heckebeck“ genannt werden.

Abb.3: Wacholder in Wertshausen, Überrest einer extensiven Weidewirtschaft

Abb.4: Flurkarte von 1863 mit den Gemarkungen Heiligenweg und Heiligenwegsgärten

Die alte Vollnkirchener Flurbezeichnung „Heiligenweg“ und der parallel verlaufende Elisabethpfad waren der Grund, sich mit der Heiligenverehrung im Mittelalter zu befassen. Auf der Tafel nahe der Grillhütte können Sie u.a. erfahren, was die hl. Elisabeth mit der Ersterwähnung von Volpertshausen zu tun hat.

Mit einem tollen Ausblick über Vollnkirchen führt der Weg zurück ins Dorf, wo ein Abstecher zum jüdischen Friedhof führt. Dieses heute unscheinbar aussehende Areal steckt voller Geschichte. Wie Christiane Schmidt und Marianne Bill bei ihren Recherchen zum jüdischen Leben in Hüttenberg herausfinden konnten, geht die Geschichte des Friedhofs bis ins Jahr 1619 zurück. Er ist damit einer der ältesten jüdischen Landfriedhöfe in ganz Hessen.

Wenn dieser kurze „Rundgang“ auf dem Kult(o)urpfad ihr Interesse geweckt hat, kommen Sie doch zur offiziellen Einweihung, die am Sonntag den 3. Mai 2026 im Rahmen der 750-Jahr Feierlichkeiten in Vollnkirchen stattfindet. Start zur Wanderung ist um 10:00 Uhr. Im Anschluss gibt es Gegrilltes und gekühlte Getränke zum Durstlöschen am Sportlerheim.